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April 2003
Von Darío Azzellini
Interview mit Pedro Luis Ramirez, Generalkoordinator
der indianischen Organisation ASOINSUR (Asociación Indígena
der Sur del Lago) und Joaquina Montial, Generalkoordinatorin
des Netzwerkes indianischer Frauen der Region Sur del lago "Sukuaipa
Jieyuú"
Beide gehören zu den Wayuu-Indianern, eine der 33 indianischen
ethnischen Gruppen Venezuelas. Insgesamt sind 300.000 bis 500.000
der insgesamt etwa 25 Millionen Einwohner Venezuelas Indígenas.
Etwa 10.000 sind Wayuu, sie leben vorwiegend in der Region südlich
des Maracaibosee im Bundesstaat Zulia im Nordwesten Venezuelas.
Mit ihnen sprach Dario Azzellini
Frage: Wie bewerten ihre indianischen Organisationen die Entwicklungen
seit der Machtübernahme von Hugo Chávez 1998?
Pedro Luis Ramirez: Der revolutionäre Prozess hier im
Land ist geradezu außerordentlich. Mit der 1999 in Kraft
getretenen neuen Verfassung haben wir Indígenas eine aktive
und gestaltende Rolle übernommen. Die daraus resultierenden
Gesetze ermöglichen es uns selbst Entscheidungen zu treffen.
Davor wurden wir Indígenas ignoriert und marginalisiert.
Wir haben an unserem eigenen Fleisch gespürt war Diskriminierung
und Marginalisierung bedeutet, unsere Menschenrechte wurden ständig
missachtet. Heute, dank der historischen revolutionären
Geste des Präsidenten Hugo Chávez Frías, der
uns die Hand gereicht hat, haben wir unseren Platz in der Verfassung.
Die Artikel 119 bis 126 der Verfassung der Bolivarianischen Republik
Venezuela garantieren die Anerkennung unserer Rechte als venezuelanische
Staatsbürger und als Indígenas, wie z.B. Landrechte.
F: Wie hat sich das konkret auf die Situation und auf die
Arbeit ihrer Organisationen ausgewirkt?
Joaquina Montial: Die Regierung hat unsere Arbeit stark unterstützt.
So haben wir z.B. das Netzwerk der Indígena-Frauen auf
alle Gemeinden ausgedehnt. Wir führen verschiedene Projekte
durch und unterstützen die Frauen in den Gemeinden. Es gibt
nun Stipendien für Indígena-Frauen und ihre Kinder
um zu studieren und sich fortzubilden. Wir haben Bolivarianische
Wayuu-Schulen. Unsere Kinder bekommen dort auch zu Essen. Wir
können sie alle in die Schule schicken und sie werden nicht
mehr diskriminiert. Und in den Schulen wird auch Wayuu gelehrt.
Pedro Luis Ramirez: Das Gesetz zu den lokalen Räten für
öffentliche Planung ermöglicht dass es die organisierten
Gemeinden selbst sind, die die Verantwortung dafür tragen
Projekte zu entwickeln, vorzuziehen und durchzuführen, die
darauf abzielen die Lebenssituation der Wayuus zu verbessern.
F: Was waren denn vorher die zentralen Probleme?
Pedro Luis Ramirez: Die Indígenas wurden schlichtweg
nicht berücksichtigt, außer im Wahlkampf. Das hat
sich radikal gewendet. So ist z.B. die Abgeordnete Noelí
Pocaterra de Oberto Wayuu-Indianerin. Sie ist zweite Vizepräsidentin
der Nationalversammlung und hat sich sehr für Gesetze eingesetzt,
die die Situation der Indígenas verbessern. So z.B. Gesetz
zu den Indígenasprachen, das die Interkulturalität
im Land möglich macht, indem in jeder Institution, öffentlich
wie privat, auch die Indígenasprachen anerkannt werden
müssen.
F: Die Indígenas Venezuelas sehen sich als Teil des
bolivarianischen Prozesses?
Joaquina Montial: Auf jeden Fall! Noelí Pocaterra de
Oberto ist eine drei Abgeordneten der Indígenaliste Conive
(Comunidades Indígenas de Venezuela), die Teil der Regierung
Chávez sind. Sie ist auch die Gründerin des Indígena-Frauen-Netzwerkes.
Die Arbeit der Regierung hat einen starken Impuls gegeben. Alle
33 indianischen Gruppen arbeiten an der Verbesserung ihrer Situation
und überall bilden sich Frauennetzwerke. Wir haben unsere
eigenen Abgeordneten und wir kämpfen weiter.
Pedro Luis Ramirez: Wir Indígenas in Venezuela haben
einen großen Schritt gemacht. Besonders wichtig ist, dass
wir endlich wir sein können. Unsere Form zu Leben, zu denken
und unser eigenes uraltes Wissen, was lange Zeit geleugnet wurde,
ist anerkannt worden. Wir haben nun alles in der Hand, wir haben
die Alternative uns selbst zu entwickeln und wir werden weiter
dafür kämpfen, das zu erreichen, was wir als Indígenagemeinden
anstreben. Dafür war aber auch unser Kampf und unsere Hartnäckigkeit
grundlegend. Wir haben 510 Jahre lang Widerstand geleistet. Es
ist das Ergebnis dieses Kampfes das wir heute lautstark ausrufen
können: "Wir sind venezuelanische Indígenas".
Und wir stehen zu unserem Präsidenten und zum bolivarianischen
Prozess.
Vielen Dank für das Gespräch
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